Die Restauration einer Zündapp Bella R201 von 1955

Im November 1995 fand ich über eine Zeitungsannonce in der Nähe von Overrath meine jetzige Bella. Die 1955 gebaute R 201 war in einem gutem und fahrbereiten Zustand. Die 50 km in ihr neues Zuhause schaffte der Roller in strömenden Regen aus eigener Kraft, nur das schalten mit der rechten Schaltwippe, sowie das Bremsen mit einer linken Fußbremse war für mich sehr ungewohnt.

Bis Ende Januar fuhr ich die Bella, so oft wie es die Witterung zuließ. So nach und nach wurde ich immer vertrauter mit der Schaltung, und auch die Hinterradbremse wurde auf Anhieb getroffen.

Zwischenzeitlich war ich auch der Zündapp Bella IG beigetreten, ein Schritt, der sich als außerordentlich wichtig herausstellte. Hier wird einem wirklich gut geholfen!!!

Im Februar 1996 machte eine gerade neu aufgebaute Vespa Cosa der Bella endlich Platz im Keller. Beim Zerlegen wurde erst einmal eine Mängelliste geschrieben, und die wurde länger als vorher vermutet. Rost spielte bei dieser Bestandsaufnahme zum Glück nur eine untergeordnete Rolle.

Das Sandstrahlen brachte einige Spachtelmassen zum Vorschein, vor allem am Kotflügel und an der linken Seite der Heckabdeckung. Trotz Verstärkungsbleche an den Befestigungsstellen für die Sitzbank, waren dort einige Risse zu finden. Die einzige Durchrostung gab es eigentlich nur im Spritzwasserbereich des Hinterrades.

Der Batteriekasten, welcher im Beinschild sitzt, war durch Batteriesäure in Mitleidenschaft gezogen worden. Nach vielen Stunden sandstrahlen, schweißen, ausbeulen, spachteln und schleifen, konnten die Blechteile endlich dem Lackierer übergeben werden. Als Farbe wählte ich das Gambiarot Code LA 3B von Volkswagen. Dieser Farbton kommt dem Originalen Rot der R 201 sehr nah.

Der Rahmen und die Schwinge waren soweit in Ordnung, und bedurften nur einer neuen Lackierung. Auch die Telegabel wurde nach einer Reinigung und einer neuen Ölfüllung wieder eingebaut.

Alle Aluteile wurden geschliefen und poliert, einschließlich der Felgen. Einige Gummiteile waren schon von meinem Vorgänger erneuert worden, die fehlenden Gummis konnte ich noch alle besorgen. Am Motor wurden von unserem IG- Internen Motorendoktor Kupplung, Primärkette und Dichtungen erneuert. Ebenso ersetzte ich Antriebsritzel, Kettenritzel und Antriebskette.

Erfreulich wenig Elektrik. Der Säureschaden zeugt von einem defektem Regler.Erfreulich wenig Elektrik. Der Säureschaden zeugt von einem defektem Regler.

Der Bingvergaser brauchte nur eine gründliche Reinigung, der Benzinhahn bekam eine neue Dichtung, und der Tank eine neue Außenlackierung. Innen war der Tank in Topform. Sämtliche Bowdenzüge wurden natürlich erneuert, ebenso die beiden Batterien. Die Belüftung der Batterien verlängerte ich mit PVC- Schläuchen bis hinter den Motor, um einem neuen Säureschaden vorzubeugen. Die Elektrik bedurfte einiger Aufmerksamkeit. Einer der Vorbesitzer baute ein 2.5 mm² Kabel als Anschluß für den Anlasser ein.

Ein Wunder, das der sich vorher überhaupt drehte. Um das Zündschloß zu entlasten (ist schlecht zu bekommen), steuere ich den Anlasser über ein 70 Ampere Arbeitsstromrelais. Da ich noch einen guten und originalen Lichtmaschinenregler kaufen konnte, verzichtete ich auf einen elektronischen Regler. Vielleicht rüste ich später mal um!

Risse unter den Verstärkungsblechen müssen vor dem verschweißen angebohrt werden. Rechts sieht man den alten Seitenschaden!Risse unter den Verstärkungsblechen müssen vor dem verschweißen angebohrt werden. Rechts sieht man den alten Seitenschaden!

Der zweiteilige Kettenkasten machte noch einige Arbeit, da er einige Risse zeigte und stellenweise von der Kette durchgeschliefen wurde. Die Bremsbeläge zu besorgen machte wenig Arbeit, aber einen Auspuff, dass war fast unmöglich. Erst zwei Jahre später bekam ich einen nach gebauten Edelstahlauspuff.

Nachdem auch die alten Radlager gegen neue getauscht waren, war ich mit der Technik soweit durch. Da ich mir beim zerlegen immer viele Fotos mache, ging der Zusammenbau gut voran. Vor allem beim Anblick der frisch lackierten Blechteile stieg meine Motivation steil an. Im Januar 1997 war es dann soweit, die fertige Bella konnte endlich den Keller verlassen. Am schwierigsten fand ich das beschaffen der Ersatzteile, wobei auch die meiste Zeit drauf ging. Es ist schon sehr wichtig, das man bei einem Restaurationsobjekt wie der Bella, auf die Vollständigkeit achtet. Den einige Teile sind einfach nicht mehr zu besorgen, und eine Neuauflage der Teile oft zu teuer wird.

Der Augenblick, als die fertige Bella den Keller verlassen dürfte, entschädigte für die vielen Stunden welche ich mit der Restaurierung der Bella verbracht hatte. Auch die Suche nach Ersatzteilen hat viele Zeit verschlungen. Doch kaum ist man fertig und ist die ersten Touren gefahren, da schaut man doch wieder klammheimlich nach einem neuen Restaurationsobjekt!

Die Bella on Tour in der EifelDie Bella on Tour in der Eifel